Festival de la vapeur, Villiers St.-Georges (nähe Paris), Frankreich
Als die Einladung vom OK des Dampffestivals von Paris an den Dampffreunde Club zugeschickt wurde, zögerten wir nicht lange und meldeten uns sogleich an. Wir waren uns nicht ganz im Klaren, was uns da erwarten wird; aber lesen Sie doch gleich selber weiter.
Im Vorfeld des Projektes "Ausflug nach Paris" waren doch einige Arbeiten zu erledigen: Bei der Walze Aveling & Porter, Helene mussten einige Dichtungen und Stopfbüchsen revidiert werden, Mitglieder testeten sie zwei Wochen vor Festivalbeginn. Ebenfalls waren bei der Henninger, Bertha diverse Teile zu überprüfen, zudem musste die Walze am Wochenende vor Paris auch noch zum Walzenhaus gefahren werden, da sie bei Schulhaus nicht verladen werden kann. So stand sie, durch eine Plane vor Witterung geschützt, eine Woche lang vor der Halle. Beschädigungen durch Vandalen waren nicht zu verzeichnen. Für die Mannschaft, die sich am „Ausflug nach Paris“ beteiligte, hiess es also anpacken, diverse organisatorische Probleme gemeinsamen meistern und den Einsatzplan zu bestimmen. Dies wurde mit Bravour gelöst. Es machte Freude, wie viele Mitglieder sich daran beteiligten, hatten wir doch zum Beginn noch etwas Bedenken, ob wir auch genügend motivierte Leute finden, die mitmachen wollen.
Donnerstag, 19. August, 2004
Das Verladen der ersten Walze auf den Tiefladeanhänger der Firma Affolter AG, Schüpfen konnte rasch und zügig, wenn auch bei strömenden Regen, vollzogen werden, so dass der erste Transport bereit zum Abfahren war. Der zweite Sattelschlepper traf leider mit Verspätung in Schüpfen ein, daher konnten die Chauffeure statt um 15 Uhr erst mit drei Stunden Verspätung losfahren. Bereits um 14.30 Uhr fuhren Beat und Otto Hadorn, Ivo, Basil, Hans Jensen und ich im Auto voraus, damit wir den Zoll in La Verrière rechtzeitig über das Eintreffen der Walzen informieren konnten. Zum Glück haben wir das gemacht: Eine sehr unfreundliche, französische Zöllnerin wollte von einem Grenzübertritt der Walzen nichts wissen. Sie war der Meinung, dass wir mit unseren Oldtimer nach Frankreich gehen um dort gewerblich Strassen zu walzen! Das hiesse mit anderen Worten, ohne Carnet ATA sei ein Passieren ihrer Zollstelle nicht möglich. Wir, völlig überrascht, weil uns vom Schweizer Zoll wie auch von der Handelskammer versichert wurde, mit immatrikulierten Walzen brauche man keine zusätzlichen Papiere um den Zoll zu passieren. Aber ein Deklarant der Fa. Danzas konnte uns als Letzter helfen: Er meinte zwar zuerst, er könne dagegen auch nichts unternehmen, als wir ihm jedoch Fotos unserer Walzen zeigten und er sah, in welcher misslicher Lage wir uns befanden, versuchte er, wie er selbst sagte, das Unmögliche. Durch eine Bekannte beim französischen Zollamt in Pontarlier kämpfte er sich entschlossen durch bis zum dortigen Entscheidungsträger. Nach einigen Telefonaten kam nach ungefähr anderthalb Stunden des bangen Wartens der erlösende Fax. Wir durften passieren mit einer Auflage, eine Überquerung sei nur in Le Locle möglich. Gerade noch rechtzeitig konnten wir unsere Walzen per Handy umleiten. Dort waren die Zöllner bereits informiert und wir konnten ohne Probleme passieren.
Jetzt begann aber erst die lange, abenteuerliche Fahrt Richtung Paris. Wir im Auto trafen nach einer halbstündigen Irrfahrt in Provins um halb Zwei in der Nacht in „Villiers St.Georges“ ein. Pierre Grand, der Gastgeber, zeigte uns die Unterkunft, welche wir sogleich bezogen. Lastwagenfahrer Werner und Thomas mit ihren Beifahrern Markus und Stefan, sowie das Reporterteam Andreas und Sonja Schiegg, behielten bis zum zur Ankunft am Freitag 04.30 Uhr kühlen Kopf und brachten die Walzen sicher zum Festivalgelände. Beat und Hans mussten nach sehr kurzem Schlaf, die eintreffenden Transportlastwagen einweisen.
Freitag, 20. August
Am Freitagmorgen nach kurzer Nacht gab's französische Verpflegung (petit déjeuner) auf dem Festivalgelände. Die Walzenzuständigen wurden zu sofortigem Einheizen einberufen, sollten doch "les Suisses" einen guten Eindruck bei unseren Landesnachbarn hinterlassen. Am Mittag wurden denn auch schon die ersten Fahrversuche auf dem Erdboden getätigt. Er erweist sich vorerst als weicher, dämpfender Untergrund, der das Fahren sehr angenehm macht, jedoch war der Kohle und Wasserverbrauch überdurchschnittlich hoch. Doch schon im Verlaufe des späteren Nachmittags bekommen wir die ersten Nachteile dieses Bodens zu verspüren: Der einsetzende Regen versetzte das riesige Festivalgelände in schlammiges Terrain, dem wir den Namen Everglades (Sümpfe in Florida) gaben. Unsere Walzen ohne Profile waren den Eigenschaften eines schlammigen, salbigen Bodens nicht gewachsen. Nach dem Einsetzen des heftigen Gewitters blieben sie sofort stecken. Wir schafften noch gerade unter die Hinterwalzen je zwei frisch auf einer dampfbetriebenen Bandsäge gesägte Bretter zu legen. Nun standen wir also irgendwo im Sumpf, selbst grosse, moderne Traktoren konnten nicht mehr helfen. Im Aussteller-Festzelt hatten wir es jedoch gemütlich, so wurde halt eher der Wein als die Walzen genossen.
Am Freitagabend lud uns der Veranstalter zum Essen ins "Cabaret Rouge" (Tanz und Theater) im grossen Festzelt ein. Die Schüpfener Dampfreundeclub-Mannschaft war sehr ungeduldig auf das "Cabaret"; man konnte meinen, wir hätten schon lange keine Frauen mehr gesehen... Das Essen der Küchenmannschaft schmeckte sehr gut und der Wein vorzüglich. Leider verfehlte das Cabaret seine Wirkung bei den wenigen Gästen, etwa 100 Personen, anstelle der erwarteten 300-500 Personen waren dabei, so dass nicht so recht Stimmung aufkam.
Samstag, 21. August
Die letzten Oldtimer trafen ein, man konnte gegen 30 Dampftraktoren zählen, stationäre Dampfmaschinen trieben fürs Publikum zahlreich Apparaturen und Geräte an wie zum Beispiel eine "Holländer Zocceli-Schuh-Drechsel- und Fräsmaschine", Bandsäge und Dreschmaschine. Die Führer und Heizer der Feldbahnlok genossen ihre Hin- und Herfahrt auf dem 200 Meter langen, geraden Geleise.
Grosse Dampfpflugmaschinen mit Seilwinden, welche zum Teil aus England zum Fest hierher auf dem Tieflader angereist waren, pflügten den Boden mit einem Wendepflug um. Showmans (mobile Dampfmaschinen mit angetriebenem Stromgenerator zum Betreiben von Jahrmarktkarussellen) standen im Gelände zum Bestaunen. Ein Traktor, der ständig die Maschinen mit Wasser ergänzte, komplettierte das vielfältige Angebot für Mannschaft, Gäste und Interessierte.
Neben den Dampfmaschinen wurden auch noch die Traktoren der ersten Generation gezeigt, die schon mit Kerosen betrieben wurden. Etwa zwei Dutzend uralte Autos und Motorräder begeisterten ebenfalls viele Gäste. Für die Kleinen wurde ein Schienenkreis für eine Gartenbahn mit drei Loks aufgestellt.
Der zwölf Meter lange Grill neben dem grossen Festzelt versorgte die hungrigen Gäste mit feinem Fleisch.
Heiter und lustig ging es am Mittag im Ausstellerzelt zu und her. Wir wurden fürstlich bewirtet.
Da wir mit unseren Walzen immer noch im Schlamm steckten und an ein Fortkommen nicht zu denken war, machten wir es uns gemütlich auf der Walze. Bei feinem Rotwein und etwas zu knabbern wurde die Stimmung immer fröhlicher. Selbst wenn die Walzen noch hätten fahren können, hatte es wegen der augenfällig angeschlagenen Mannschaft keine Weiterfahrt mehr gegeben. Als es langsam eindunkelte, vergnügten und festesten wir bei Erika und Robert Nussbaum in ihrem bestens ausgestatteten Campinganhänger weiter. Es wurde gegrillt, getrunken und gelacht. Nachträglich feierten wir den 20. Geburtstag von Simon Hunziker vom 19. August mit Gitarre, Lieder, Kaffe und Kuchen nach, der wegen der verzögerten Anreise verschoben werden musste.
Sonntag, 22. August
Der Sonntag kann als Höhepunkt des Festivals bezeichnet werden, ist es doch der letzte Tag in Frankreich und zugleich jener Tag, an dem die Sonne den Weg zu uns wieder fand. Das Publikum war viel zahlreicher erschienen, zumal die Museumsbahn Gäste direkt mit der Dampflok vor das Festivalgelände brachte. Sicher konnten die Veranstalter am Sonntag gegen 5`000 Eintritte zählen.
Wir befreiten die Aveling & Porter-Walze ohne Fremdhilfe aus dem Morast heraus, während die Henninger auf spektakuläre Weise mit der Seilwinde einer 18 tönnigen Dampfpflugmaschine 200 Meter aus dem Schlamm gezogen wurde. Den ganzen Tag fuhren wir mit unseren Oldtimern zusammen mit den Dampftraktoren, Showmans, Pflugmaschinen und Kerosen-Traktoren auf dem Gelände herum. Der Boden trocknete mittlerweile wieder ab, so, dass wir wieder problemlos fahren konnten, wenn auch mit gesetzten Bolzen im zweiten Rad. Um 17.00 Uhr war die Maschinenparade angesagt. Alle Fahrzeuge stellten sich in einer Reihe auf und fuhren anschliessend zweimal eine speziell abgesperrte Strecke, damit das Publikum sie besser bestaunen konnte.
Wir noch blieben bis um 21 Uhr am Sonntagabend im Gelände. Die Lastwagen durften wegen des europäischen Fahrverbots an Ruhetagen erst ab 22 Uhr Richtung Heimweg begeben. Wir alle wussten, dass dies eine harte Nacht wird, denn unter 5 Stunden Fahrzeit durfte man nicht rechnen. Für uns im Auto dauerte die Fahrt bis drei Uhr am Morgen, die Lastwagen ihrerseits konnten erst ab 06 Uhr den Zoll in Le Locle passieren. Sie erreichten Schüpfen nach über zehn Stunden Fahrt. Erika und Robert Nussbaum machten es besser, sie blieben über Nacht und konnten so am Montag ausgeruht die Heimreise antreten. Da jedoch einige am Montag wieder in die Schule oder zur Arbeit mussten, blieb uns nichts anderes übrig, als in der Nacht zurückzukehren.
Die Aveling & Porter-Walze musste nach ihrer Rückkehr ins Walzenhaus gestellt werden. Die Henninger blieb bei der Fa. Affolter Transporte, da sie ihren nächsten Einsatz am nachfolgenden Wochenende in Münsingen hatte. Gegen Mittag waren die Arbeiten abgeschlossen, nach einem wohlverdienten Mittagessen verabschiedeten wir uns sichtlich müde, aber zufrieden, nach diesem intensiven, schönen Wochenende.
Noch einmal grossen Dank an Beat Hadorn, Werner Roth, Thomas Köchli, Hans Jensen, Stefan Iseli, Otto Hadorn, Markus von Känel, Andreas Schiegg, Sonja Schiegg, Michael Nussbaum, Marcel Kurmann, Ivo Jensen, Basil Jensen, Robert Nussbaum, Erika Nussbaum für die Unterstützung, Mithilfe und Realisation des Projekts "Ausflug nach Paris".




